Schweizer Fertighausmarkt verdaut Frankenschock

20. Apr 2016 • News • Interconnection Consulting • Branchenstudien • Marktforschungstool • Wirtschaftsstatistik • Bau & Wohnen • Produktion

Der Schweizer Markt für Fertigteilhäuser hat im vergangenen Jahr, stark unter den Folgen des Frankenschocks gelitten. 2015 sank die Anzahl der errichteten Wohneinheiten am Fertigteilhaussektor auf 1724 (2014: 1734). Der Umsatz der Branche fiel um 0,1 Prozent auf 720 Millionen CHF (ca. 655 Mio. €), wie eine neue Studie von Interconnection Consulting zeigt. Erst 2018 soll die Fertighausbranche wieder richtig Fahrt aufnehmen.

BIP-Wachstum sinkt erstmals unter EU-Niveau

Nach der Aufhebung des Euro-Mindestkurses, durch die Schweizer Nationalbank (SNB) hat der starke Franken die Schweizer Wirtschaft noch immer im Würgegriff. Das Schweizer BIP-Wachstum fiel 2015 erstmals seit Jahren unter den EU-Durchschnitt. Auch die Bauwirtschaft musste starke Einbußen in Kauf nehmen. Sowohl die Baugenehmigungen (-3,9%), als auch die Gebäudefertigstellungen (-2,3%) gingen im Vorjahr empfindlich zurück. Neben der stotternden Konjunktur gibt es auch bauinterne Gründe, die der Bauwirtschaft zusetzen. So führte ein Volksentscheid im Jahre 2013 dazu, dass nur noch 20% aller Häuser und Wohnungen in den Urlaubsgebieten als Zweitwohnsitze genutzt werden dürfen. Daher dürfen nun viele Gemeinden keine neuen Zweitwohnsitze mehr genehmigen. Ein Umstand der vor allem den Fertighausproduzenten schadet, da der Markt für Zweitwohnsitze ein wichtiges Absatzsegment für die Branche darstellt.

Paradigmenwechsel zu mehrgeschossigen Wohnbau gefordert

Der Boom beim Bau von Zweitwohnsitzen in den letzten 20 Jahren verringerte das ohnehin knappe Angebot an Baugründen weiter, was die Immobilienpreise extrem steigen ließ. Wohnungen werden im Vergleich zu Häusern immer günstiger. „Die Folge dieser Entwicklung wird die gesteigerte Nachfrage nach mehrgeschossigen Wohnbauten sein“, meint Neva Rukonic, Autorin der Studie. Dies stellt eine Herausforderung für die Fertighausbranche dar, welche sich traditionell auf den Bau von Ein- und Zweifamilienhäuser konzentriert. Zwar stieg der Anteil des mehrgeschossigen Wohnbaus im letzten Jahr nur um 0,2% auf 8,5%, jedoch ist mit stärkeren Wachstumsraten in den nächsten Jahren in diesem Segment zu rechnen. Der Marktanteil am Ein- und Zweifamilienhausbau ist in der Schweiz, im Vergleich zu anderen europäischen Ländern, relativ gering (19,3%) und soll, laut Interconnection Studie, in den nächsten Jahren ebenfalls leicht ansteigen.

Riegelbauweise und nachhaltiges Bauen im Trend

In der Schweiz wird praktisch jedes Fertighaus in Riegelbauweise errichtet (94,4%). Diese Bauweise basiert auf Holz und ist so ein Gegenpunkt zur klassischen Massivbauweise, die im Fertighausbereich in der Schweiz kaum Verwendung findet (5,6%). Ein starker Trend ist Energieeffizienz. Eine größere Rolle als die Passivhäuser, die nur 4,9% des Marktvolumens ausmachen, spielen hingegen die Minergie-Standards (Der Begriff „Minergie-Häuser“ steht für energieeffiziente Bauweise). Firmen fokussieren sich dabei auf ein leistbares allumfassendes Energiekonzept. Zusätzlich geht der Trend im Fertighausbau weiter in Richtung höherer Preisklassen. Mittlerweile kosten 61,5% aller Fertighäuser über 400.000 CHF (365.000€). Als Niedrigenergiehäuser gelten Häuser, deren Energieverbrauch bei max. 50kWh/m2. Bei Passivhäusern liegt dieser Wert unter 15 kWh/m².

Marktkonzentration steigt weiter

Die Marktkonzentration der Top 10 Player nahm 2015 weiter zu und erhöhte sich um 4,5% auf 39,5%. Auch wenn vermehrt Firmen aus dem Ausland versuchen am Schweizer Markt Fuß zu fassen, scheitern viele an den regionalen Gegebenheiten: „Die Kantone führen unterschiedliche Bauvorschriften – klarer Vorteil für regionale Firmen“, erklärt Rukonic abschließend.

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