Geht Deutschland das Holz aus?

Die Corona-Pandemie führte weltweit zu zahlreichen Veränderungen in den unterschiedlichsten Bereichen. Zum einen verbrachte ein Großteil der Menschen die meiste Zeit zu Hause in den eigenen vier Wänden. Viele Branchen wie etwa der Gaming- und Online-Casino-Markt durften sich über einen hohen Anstieg neuer Kunden freuen.

Anbieter: marktmeinungmensch
Veröffentlicht: Aug 2021
Preis: kostenlos
Studientyp: Blog & Paper
Branchen: Land & Forst
Tags: Forstwirtschaft • Holzwirtschaft

Ob Bally Wulff Spiele oder eine Runde im Live Casino – das Angebot ist fast endlos und hat etwas Abwechslung in die Zeiten von Lockdown und Ausgangssperren gebracht.

Auch auf andere Branchen hatte die Corona-Pandemie einen nicht unerheblichen Einfluss. Bekannter Weise hat es vor allem Gastronomen und Restaurantbesitzer, aber auch sehr viele Künstler besonders hat in der Krise getroffen. Bars und Restaurants mussten geschlossen bleiben, Auftritte und Konzerte konnten nicht stattfinden. Viele Existenzen standen plötzlich vor dem Aus.

Was viele Menschen jedoch im ersten Moment nicht gleich realisieren, ist die Tatsache, dass auch die Bau- und vor allem die Holzbranche mit massiven Problemen zu kämpfen hatte und immer noch hat. Oft ist sogar schon der Spruch „Holz ist das neue Gold“ zu hören. Doch was ist dran an diesem Ausspruch und wie sieht die Lage tatsächlich aus?

Export nach USA und China

In vielen Bereichen wurden während der Pandemie die Produktionskapazitäten gedrosselt und reduziert. Parallel begann zuerst 2020 die erhöhte Nachfrage aus China, Anfang 2021 folgten die USA. Beide Länder erleben aktuell einen regelrechten Bauboom, in den USA kommt hinzu, dass weniger Holz aus Kanada geliefert wird. Dort sind viele Bäume von einem Schädling befallen, es gab die Trump-Strafzölle und Brände haben etliches an Bestand zerstört.

Im Umkehrschluss bedeutet das, dass zu einer verringerten Produktionskapazität eine erhöhte Nachfrage an Baustoffen kam. Vor allem der Holzmarkt ist besonders stark betroffen. In vielen Holzproduktionen sind die Lager so gut wie leer, an Nachschub ist schwer bis gar nicht zu kommen. Die Vorräte sind aufgebraucht. Holzhändler arbeiten aktuell nur noch mit Tagespreisen, die sich in den letzten Wochen stetig weiter erhöhen.

Im Vergleich zu 2019 stieg die Nachfrage nach Holz im Jahr 2020 um ganze 80 Prozent an. Das machten 20 Millionen Festmeter laut dem Bundesverband der Deutschen Säge- und Holzindustrie, wobei ein Großteil davon Nadelrundholz war.

Während der Pandemie begannen viele Menschen mit dem Heimwerken. Gartenhäuser wurden errichtet, Carports neu überdacht – Latten und Hölzer sind nach wie vor heiß begehrt. Hinzu kommt, dass sich immer mehr Menschen den Traum vom Eigenheim erfüllen möchten und mehr Häuser aus Nachhaltigkeitsgründen vermehrt auf Holzbasis errichtet werden.

Ob und wann die Preise wieder sinken werden, ist aktuell ungewiss. Problematisch wird es dann, wenn Handwerker bereits Zusagen zu Festpreisen getroffen haben, nun allerdings zu einem stark angestiegenen Einkaufspreis Ware besorgen müssen. Sie bleiben in der Regel auf den Mehrkosten sitzen. Auch bei öffentlichen Ausschreibungen, die einen Festpreis vorgeben, sind viele Unternehmen vorsichtig.

Sowohl in Amerika als auch in China wird im Vergleich zu Deutschland ein besserer Preis geboten. Inzwischen ist selbst minderwertiges Fichtenholz, das wegen Sturmschäden und Käferbefall notgefällt werden musste, fast komplett aufgebraucht.

Einschlagstopp bereitet weitere Probleme

Viele Waldbesitzer leiden unter den sogenannten Einschlagstopps. Durch Forstbetriebe oder durch das Land wurde ein Stopp zum Fällen von frischem Nadelholz ausgesprochen. Zu diesem Zeitpunkt war der Markt allerdings noch gesättigt. Da sich die Situation geändert hat, wurde der Einschlagstopp vielerorts bereits wieder aufgehoben.

Allerdings sind sich viele in der Branche einig, dass aktuell zu wenig getan werde. So sollte zum Beispiel eine Regulierung erfolgen. Nach einer Einschätzung, wie viel Holz in Deutschland selbst benötigt werde, könne man über einen Export für den Rest nachdenken. Nur über diesen Weg wäre es möglich, Kundenwünsche wieder zufriedenstellend zu erfüllen.

Jahrzehnterlanger Wachstum – ein langsam wachsender Rohstoff

Das Problem am Rohstoff Holz ist, dass es nicht eben in kürzester Zeit nachwachsen kann. In Deutschland wird seit rund 200 Jahren Forstwirtschaft betrieben. Ungefähr ein Drittel des Landes ist mit forstwirtschaftlich genutzten Waldflächen bedeckt. Das macht 11 Millionen Hektar aus. Pro Jahr wachsen etwa 10 m³ Holz und so ergibt sich ein Wachstum von ungefähr 120 Millionen m³. Davon dürfen nur 70 Millionen m³ gefällt werden, um die Nachhaltigkeit zu gewährleisten.

Von der Blüte bis zum Sägewerk ist es ein langer Weg für den Baum. Bis er gefällt werden kann, vergehen mehrere Jahrzehnte:

  • ein Samen wird in die Erde gesetzt
  • der Baum wächst heran
  • der Baum wird gefällt
  • Abtransport in ein Sägewerk
  • Zubereitung im Sägewerk
  • Weiterverarbeitung etwa durch einen Tischler

Teilweise noch kritischer ist die Verarbeitungszeit bei Tropenhölzern. Zu der sehr langen Wachstumszeit dieser Hölzer kommt der Aspekt hinzu, dass mit der Abholzung nach und nach ein wichtiger Lebensraum, der Urwald, zerstört wird. Vielen Tierarten wird zudem die Lebensgrundlage entzogen.

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