Die Rückkehr der Angst in Deutschland? - ein Jahr nach der Silvesternacht 2015/2016

Die Exzesse auf dem Kölner Bahnhofsvorplatz zum Jahreswechsel in 2016 sorgten nicht nur in Deutschland für Aufregung, sondern wurden weltweit beachtet. In einer tiefenpsychologischen Studie haben Forscher des rheingold salon nun in den vergangenen Monaten untersucht, was Menschen in New York, Shanghai und Sydney an den Ereignissen in Köln so berührt hat und was wir davon lernen können.

Anbieter: rheingold salon
Veröffentlicht: Jan 2017
Preis: kostenlos
Studientyp: Marktforschung
Branchen: Wirtschaft, Politik & Gesellschaft
Tags:

Migranten-Attacken am Dom heißt Deutschland ist in Schwierigkeiten

Während in den Medien überwiegend vom Bahnhofsvorplatz in Köln die Rede war, wurde international sehr wohl wahrgenommen, dass die Silvester-Exzesse im Schatten des Kölner Doms stattgefunden haben. Auch wenn der Dom namentlich nicht jedem bekannt war, so blieb doch seine einzigartige Gestalt meist prägend in Erinnerung. Eine kleine Episode verdeutlich dies: Eine der Forscherinnen zückte in einem australischen Restaurant nur eine Kreditkarte, auf der ein Bild mit dem Kölner Dom aufgebracht war. Die australische Kassiererin erkannte die Silhouette der Kirche wieder und rief spontan: „Your town is in trouble“ – ihre Stadt ist in Schwierigkeiten!

Ob in New York, Shanghai oder Sidney, in allen drei Metropolen standen so letztlich zwei Symbole im Zentrum der Sicht auf die Kölner Silvesterübergriffe: Der Bahnhof und der Dom. Während sich im Bild des Bahnhofs das Reisen und die Begegnung mit fremden Kulturen verdichteten, wurde der Dom als ein Symbol für die christlichen Wurzeln der hiesigen Kultur mit ihren entsprechenden Regeln und Werten wahrgenommen. Bahnhof und Dom wurden dabei in der Wahrnehmung der Silvesternacht zu starken symbolische Gegensätzen. Der Bahnhof stand bei den Befragten dabei für das anbrandende Neue, die chaotischen Zustände sowie die Hemmungslosigkeiten, die die Flüchtlingswelle mit sich gebracht hat, während der Dom die bestehende Ordnung repräsentierte.

Die Exzesse rund um Bahnhof und Dom wurden dadurch zu einem Bild dafür, dass die hiesige Kultur ihre Regeln – zeitweise – nicht mehr durchsetzen konnte. Die Befragten in Sidney, Shanghai und New York erlebten dies als sehr beunruhigend. Köln wurde dadurch zu einem Ort, an dem die persönliche Sicherheit nicht mehr in dem Maße gewährleistet ist, wie man es bislang für deutsche Orte gewohnt war. Die Befragten wünschten sich im übertragenen Sinne „mehr Dom“ – also mehr Ordnung, Beständigkeit, Verlässlichkeit und Stabilität. Der Dom wurde somit sowohl als Kulisse für die Angriffe wahrgenommen als auch für den Wunsch nach einer Verteidigung bestehender Werte. Es wurden daher immer wieder Sorgen und Forderungen nach mehr Sicherheitsmaßnahmen für den Dom geäußert: Der Dom ist den befragten Menschen ein Symbol, das unbedingt erhalten werden muss, das aber auch bedroht zu sein scheint.

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